Montag, 7. Mai 2018

Il Tintoretto - Das Färberchen



An der Fondamenta dei Mori, nur wenige Schritte entfernt von der berühmten Statue des Sior Antonio Rioba mit der eisernen Nase, befindet sich zwischen den Eingängen 3398 und 3399 eine Inschrift zur Erinnerung an den Maler Jacopo Robusti, genannt Tintoretto.

Fondamenta dei Mori, Cannaregio 3398/3399
Erinnerungstafel
Fondamenta dei Mori, Cannaregio 3398/3399

Das als Casa di Tintoretto bekannte Haus soll Geburtshaus und Werkstatt des Malers gewesen sein.

Casa di Tintoretto
Casa di Tintoretto


Der lateinische Text der Erinnerungstafel lautet:


NE PRAETEREAS VIATOR
JAC[opo] ROBUSTI QUI TINTORETTO
DOMUM VETUSTAM
INDE TABULAE INNUMERAE
MENTE PENICILLO IPSIUS
PERACRI AFFABRE ELABORATAE
PUBLICE PRIVATIMQ[e] ASPECTABILES
LATE PRODIERUNT
HOC TE RESCIRE JUBAVIT
CURA PRAESENTIS DOMINI
MDCCCXLII


Darunter befindet sich eine zweite Tafel mit der Inschrift „RENOVATA AERE CIVICO 1881“

Auf Italienisch lautet der Text ungefähr so:
"Viatore non passano da questa veneranda casa di Jacopo Robusto, detto il Tintoretto, dove numerosi quadri, con il pennello tagliente sapientemente lavorato, sia visibili pubblicamente che privatamente, sono state fatte. Questo sappiate dal proprietario attuale per il vostro piacere. 1842" /
"Rinnovato a spese pubbliche 1881"

Rough English translation:
"Wanderer don't pass by this venerable house of Jacopo Robusto, known as Tintoretto, where countless paintings, with sharp brush skillfully worked, both publicly and privately visible, were made. Learn this by the current landlord to your enlightment. 1842" /
"Renovated at public expense 1881"

Und eine ungefähre deutsche Übersetzung wäre:
"Gehe nicht vorüber, Wanderer, am altehrwürdigen Haus des Jacopo Robusto, genannt Tintoretto, wo unzählige Gemälde, durch seinen scharfen Pinsel kunstvoll gearbeitet, öffentlich wie privat sichtbar, entstanden sind. Dieses durch die Sorge des gegenwärtigen Hausherrn zu erfahren wird Dich erfreuen. 1842." /
"Auf öffentliche Kosten renoviert 1881"

Der Maler, der uns unter dem Namen Tintoretto bekannt ist, nannte sich mit bürgerlichem Namen Jacopo Robusti. Der Name Tintoretto ist das Diminutiv der Berufsbezeichnung seines Vaters Giovanni Battista Comin, der Färber, italienisch „tintore“ (venezianisch „tentor“) war und wahrscheinlich aus Lucca stammte. Den Beinamen Robusti (der Starke) soll dem Vater wegen dessen Beteiligung an der heldenhaften Verteidigung eines Paduanischen Stadttores im Jahre 1509 beigelegt worden sein.

Jacopo Robusti signierte Gemälde in der Regel mit der venezianischen Variante „tentoretto“ oder latinisiert als „Iacobus Tentorettus“ und auch in Familienpapieren, wie den Testamenten seiner Kinder, wird die venezianische Form verwendet.

Das Geburtsdatum Jacopo Robustis ist unbekannt, denn die diesbezüglichen Dokumente fielen einem Brand zum Opfer. Die Angaben zur Geburt Ende September – Anfang Oktober 1518 wurden aufgrund der Altersangabe im Sterbeeintrags „31. Mai 1594: starb Messer Jacopo Robusti genannt Tintoretto im Alter von 75 Jahren und 8 Monaten“ rekonstruiert. Der Tintoretto-Biograph Roland Krischel allerdings hat aus Dokumenten der Pfarreien und Behörden als Geburtszeit den April oder Mai 1519 ermittelt.

Tintorettos Grablege befindet sich in der nahe gelegenen Kirche de la Madona de l'Orto. Zu ihr kommt man über den Campo dei Mori, die Calle dei Mori und die Ponte de la Madona d l'Orto.

Madona de l'Orto
Madona de l'Orto

Folgt man der Fondamenta dei Mori noch ein Stückchen weiter Richtung Castello, kommt man zur Calle Tintoretto und durch sie zum Corte Tintoretto. Hier sieht man an einer der Fassaden drei Reliefs, die wohl an Tintoretto erinnern sollen, aber direkt nichts mit dem Maler zu tun haben.

Relief, Corte Tintoretto
Relief, Corte Tintoretto

Relief, Corte Tintoretto
Relief, Corte Tintoretto

Relief, Corte Tintoretto
Relief, Corte Tintoretto


Trivia:

In dieser Gegend wurden etliche Szenen des dänischen Spielfilms „Italiensk for begyndere“ (dtsch. „Italienisch für Anfänger“) gedreht. Aber dazu und zu dem eingangs erwähnten Sior Rioba demnächst mehr in einem eigenen Beitrag.

In Commissario Brunettis 17. Fall „Das Mädchen seiner Träume“ vergleicht der Commissario die Kuppel des Glockenturms der Chiesa de la Madona de l'Orto („natürlich“ in der unvenezianischen italienischen Schreibweise „Madonna dell'Orto“) mit einem Panettone.

Madona de l'Orto
Madona de l'Orto

Und in Commissario Brunettis 19. Fall „Auf Treu und Glauben“ trägt das fehlende Glockengeläut der Kirche wesentlich zur Aufklärung des Falles bei.