Donnerstag, 10. August 2017

Venezianische Benimmregeln


#EnjoyRespectVenezia


Seit Kurzem versucht die Stadt Venedig (wieder einmal) mit einer Kampagne ihre Besucher zu einem respektvollen Benehmen zu zu bewegen — respektvoll gegenüber dieser einzigartigen Stadt, ihren Bewohnern und ihren Mit-Touristen.

Es ist beinahe nicht zu glauben, was Touristen sich so alles erlauben. Die Zeitung Nuova di Venezia berichtet alleine über drei Fälle von Sex in aller Öffentlichkeit aus den letzten Tagen. Hier geht's zum Artikel: "Venezia, fanno sesso lungo il Canal Grande". Und das sind nur die Fälle, in denen zufälligerweise eine Kamera zur Stelle war.

Fast schon zum Sport ist es geworden, von der Rialto- und anderen Brücken in den Canal Grande zu springen — was, nebenbei gesagt, auch noch lebensgefährlich ist.


#EnjoyRespectVenezia


Hier sind also die Regeln, deren Nichtbeachtung mit Bußgeldern zwischen € 25 und € 500 geahndet werden können:



Es ist verboten, sich auf der Piazza San Marco, den Säulengängen und Stufen der Procuratie Nuove, der Ala Napoleonica, der Libreria Sansoviniana, auf der Piazzetta dei Leoncini, entlang des Portikus des Palazzo Ducale, auf der Piazzetta San Marco und der Mole außerhalb der spezifisch ausgewiesenen Bereiche zu setzen.
Ebenso ist das Essen und Trinken, mit Ausnahme in öffentlichen Betrieben und den spezifisch ausgewiesenen Rastplätzen, das achtlose Wegwerfen und Liegenlassen von Papier, Dosen, Flaschen und jeder Art von festen oder flüssigen Abfällen an öffentlichen Orten, sowie das Behindern der Zirkulation durch Anhalten auf den Brücken und in den Straßen verboten.


Baden, Schwimmen und Tauchen sind in allen Flüssen, Kanälen, dem San Marco Becken, sowie in jedem Gewässer in der Nähe der Wohngebiete der Stadt Venedig, verboten.


Es ist in der ganzen Stadt Venedig verboten, Abfälle an öffentlichen Orten oder für die Öffentlichkeit zugänglichen Orten, achtlos wegzuwerfen oder liegenzulassen.


Es ist verboten in Badekleidung oder mit nacktem Oberkörper durch die Straßen zu spazieren, an öffentlichen Orten und Dienstleistungsbetrieben anzuhalten und mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln zu fahren.


Es ist verboten, aus hygienischen Gründen und zum Schutz der historischen Gebäude, Lebensmittel sowie Lebensmittelabfälle in den Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten, Bächen und Kanälen der Stadt Venedig zu verfüttern oder zurückzulassen.


Es ist verboten in der Altstadt von Venedig mit Fahrrädern zu zirkulieren, auch wenn sie geschoben werden. Mit Ausnahme der Bewohner und Kinder bis zu acht Jahren.


Es ist überall in der Stadt Venedig verboten zu zelten, sich auf den Bänken hinzulegen und mit Campingausrüstung zu rasten.

Die Regeln sind also da. Erstaunlich finde ich, wie wenig verbreitet offenbar die Kunst des Lesens ist — noch mehr erstaunt mich allerdings, wie selten die Verstöße tatsächlich geahndet werden. Ich beobachte hier täglich dutzende von Regelverletzungen, die unter den Augen der Ordnungshüter geschehen. Das harmloseste sind dabei noch die Radfahrer — die tun sich nur selbst keinen Gefallen, wenn Sie glauben, sich in einer Stadt voller Brücken mit den Rad bewegen zu müssen. Dies Bild ist aktuell von heute Morgen:

Das kann bis zu 500 Euro kosten!

Hier noch einmal die wichtigsten Links zu den deutschsprachigen Seiten:

Was in Venedig verboten ist

Hinweise für verantwortungsbewusste Besucher

Stadtplan mit Verzeichnis der öffentlichen WC's, Grünanlagen und öffentlichen Strandbäder

Und auch  sehr nützlich bei der Planung einer Reise nach Venedig: Hochrechnung der pro Tag in Venedig erwarteten Besucher




Die Dokumente zu diesem Thema sind von der Città di Venezia unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Die Startseite der Kampagne ist in Italienisch unter http://www.comune.venezia.it/it/EnjoyRespectVenezia zu erreichen. Die Seite ist außerdem in Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Arabisch, Russisch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch und Portugiesisch verfügbar — eigentlich sollte also niemand mehr eine Ausrede ins Feld führen können, wenn er/sie/es sich nicht an die (ohnehin) selbstverständlichen Regeln hält.