Mittwoch, 19. April 2017

Noch'n Verbot - Campo Santo Stefano


Auch an der Kirche Santo Stefano, genauer gesagt, rechts des Portals, an der Ecke des Campo und des Campiello Santo Stefano, ist diese Verbotstafel angebracht:

Verbotstafel an der Kirche Santo Stefano
Verbotstafel an der Kirche Santo Stefano




MDCXXXIII.XX ZVGN,
SONO PROHIBITI TVTTI LI GIOCHI
QVALI SI SIANO ET ANCO IL VENDER ROBBA
METTER BOTTEGE O CORBE IL PROFFERIR
BIASTEME E FAR ALTRE INDECENZE INTORNO
A QVESTA CHIESA O LVOCHI SACRI CIRCON
VICINI E QVESTO PER DELIBERATION DELLI
ECC.MI SS.RI ESS.RI CONRTA LA BIASTEMA CON
PENA ALLI TRANSGRESSORI DI PRIGIONE, GA=
LIA, BANDO ET ANCO LRE CC D'PICCOLI FRA L'
ACCUSATORE (QVAL SARA TENVTO SECRETO)
ET CAPTORI

D. F.CO MO.NI PROC.R
D. NICOL CONTARINI
D. MAR.O ANT.O DI PRILI
D. ALVISE MOCENIGO

ESSCVTORI
CONTRO LA
BIASTEMA.

Auf Italienisch und Deutsch lautet der Text:

"20 GIUGNO 1633 - SONO PROIBITI TUTTI GLI GIOCHI QUALSIASI E ANCHE LA VENDITA DI ROBE, METTERE BOTTEGHE O CORBELLI, IL PROFERIRE BESTEMMIE E FAR ALTRE INDECENZE INTORNO A QUESTA CHIESA O LUOGHI SACRI CIRCONVICINI E QUESTO PER DELIBERAZIONE DELLE ECCELENTISSIMI SIGNORI ESSECUTORI CONTRO LA BESTEMMIA CON PENA AGLI TRASGRESSORI DI PRIGIONE, GALERA, BANDO E ANCHE LIRE 200 DE PICCOLI FRA L’ACCUSATORE (QUELLO SARA INVIO SECRETO) E CAPTORI"

"20.6.1633 - Es sind verboten jedwede Spiele und auch der Verkauf von Sachen, das Hinstellen von Verkaufsbuden oder Körben, Gotteslästerungen auszusprechen und andere Unanständigkeiten zu begehen, bei dieser Kirche oder Heiligen Orten ringsumher und zwar nach Ratschluss Ihrer Exzellenzen, der Herren Vollstrecker gegen Gotteslästerung bei Strafe für die Täter des Gefängnisses, der Galeere, der Verbannung und außerdem 200 Lire de piccoli für die Ankläger (welche geheim gehalten werden) und die Häscher"

Bei den "Vollstreckern", dem Gremium, dass auch, aber nicht nur für die Bekämpfung der Gotteslästerung zuständig war, handelte es sich um die Herren (das "D." steht übrigens für "dominus" = Herr):
Federico Morosini, der auch einer von sechs Procuratoren war. Ein Amt, das an Bedeutung gleich nach dem des Dogen rangierte,
Nicolò Contarini, sein Namensvetter war zur Zeit dieser Bekanntmachung Doge,
Marco Antonio di Priuli (in der Familie Priuli war auch der Vorname Marino verbreitet, es kann also sein, dass es sich hier um einen Marino Antonio handelt)
und schließlich Alivise Mocenigo. Diese Familie stellte im Laufe der venezianischen Geschichte sieben Dogen, von denen vier den Vornamen Alvise trugen - unser Alvise war allerdings nie Doge. Es könnte sich immerhin aber über den späteren Admiral (ab 1648) der Serenissima handeln, der sich seinen Ruhm im Krieg gegen die Türken erwarb (s. Treccani Dizionari Biografico).


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