Montag, 24. April 2017

La Beffa di Buccari


Auf der Giudecca, vor der Kirche des Allerheiligsten Erlösers - del Santissimo Redentore, steht ein ganz besonderes Exemplar der Fahnenmastsockel, die die Venezianer "abate del campo" nennen.

Die Stele aus istrischem Marmor weist auf eine "Heldentat" der Königlichen Italienischen Marine aus dem letzten Jahr des Ersten Weltkriegs hin, die (angeblich) genau hier vor der Kirche, begann. Ein Ereignis, an dem der Schriftsteller und irredentistische Aktivist Gabriele D'Annunzio als "freiwilliger Seemann", wie die Inschrift sagt, teilnahm. D'Annunzio war es auch, der dieser militärisch wenig erfolgreichen Operation den Namen gab: "La Beffa di Buccari" - "Die Verspottung von Buccari".

"Das Bubenstück von Buccari" würde sich als deutscher Titel vielleicht besser machen, trifft aber leider die Sache nicht ganz. Das Verb "beffare" bedeutet verspotten, verhöhnen, foppen -  und als Verspottung der k.u.k.-Kriegsmarine sollte die missglückte Aktion dem Volk verkauft werden.

Die Stele


Die Idee zu diesem Denkmal wurde bereits 1924 von Gabriele D'Annunzio an den Bildhauer Napoleone Martinuzzi ( Murano, 1892 – Venezia, 1977, Glaskünstler und Bildhauer) herangetragen, der zu dieser Zeit für den Schriftsteller an dessen Villa in Gardone Riviera arbeitete.

Aus Murano schrieb er am 7. August 1924 an seinen Auftraggeber einen Brief in dem das geplante Denkmal, das übrigens, wie in einem anderen Brief erwähnt, 3,5 bis 4 m hoch werden sollte, beschrieben wird.

"Murano 7-8-24
Mio Comandante,
Ich besichtigte das ganze Giudecca-Ufer mit Blick auf die Stadt und ich würde für die Platzierung der Stele die ausgedehnte Freitreppe vor der Erlöser-Kirche wählen. Der Ort scheint mir auch wegen seiner spirituellen Bedeutung glücklich gewählt zu sein. Mit der veränderten Freitreppe, wie in dem Entwurf gezeigt, den ich gleichzeitig sende, mit einem massiven Baukörper sowie den Stufen in der Mitte, erhalten wir eine organische und monumentale Anordnung, die sich gut in die Architektur im Hintergrund einfügt. Unsere Stele wird also am Erlösertag, dem venezianischsten Fest, auch die Funktion haben, die beiden Pilgerströme zu trennen, diejenigen, die die Kirche besuchen und diejenigen, die über die auf Booten gebaute Brücke zurückzukehren, eine Brücke, die direkt ins Zentrum dieser Treppe führt."


Die Stele sollte von zwei Löwen gekrönt werden, von denen der eine aufs Wasser, der andere aufs Land blickt. Die übrigen Dekorationen entsprechen etwa dem, was auch in kleinerem Maßstab realisiert wurde.

Der Stadt Venedig war das Ganze wohl doch ein paar Nummern zu groß gedacht (glücklicherweise) und das mag der Grund dafür gewesen sein, dass der Ideengeber Gabriele D'Annunzio zu der Enthüllung des Denkmals am 24. Mai 1928, dem Jahrestag der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn, trotz angekündigter Teilnahme nicht erschien.

Betrachten wir jetzt die Inschriften:

La Beffa di Buccari

IL III EQUIPAGGIO
---
ANDREA FERRA
RINI - VINCENZO
LAZZARINI - EMI
LIO DAVIDE - PAO
LO PAPA - CESA
RE DAGNINO - DO
MENICO PICCIRIL
LO - VMBERTO
BIANCAMANO
ANGELO RITTO
RE - SAVERIO BA
DIALI - MARIO
ALLEGRETTI 

I TRENTA DELLA BEFFA DI
BVCCARI SALPARONO DA
QVESTA RIVA IL X FEBBRAIO
MCMXVIII
CATALOGO DEI TRENTA
IL I EQVIPAGGIO
COSTANZO CIANO - LVIGI
RIZZO - ANGELO PROCAC
CINI - GIVSEPPE VOLPI
BENEDETTO BELTRAMIN -
GIVSEPPE CORTI - EDMONDO
TVRCI - MENOTTI FERRI
ACHILLE MARTINELLI
GABRIELE D'ANNVNZIO
VOLONTARIO MARINAIO

IL II EQUIPAGGIO
---
ODOARDO DE
SANTIS - GINO
MONTIPO - AR
TVRO MARTINI
SALVATORE GE
NITIVO - RAFFAE
LE ESPOSITO
GALLIANO FVRLA
NI - ONIGLIO CALZO
LARI - ANTONINO
MACALVSO - VIRGI
NIO GADDONI - VIN
CENZO CAGGERI


Die Vorderansicht zeigt oben eine Karte der Bucht von Buccari, dem heutigen kroatischem Bakar. Darunter steht:


"Die Dreißig der Verhöhnung von
Buccari stachen in See von
diesem Ufer am 10. Februar
1918.
Liste der Dreißig
Die 1. Besatzung
Costanzo Ciano [aus Livorno, Capitano di Fregata - Fregattenkapitän],
Luigi Rizzo [aus Milazzo, Capitano di Corvetta - Korvettenkapitän],
Angelo Procaccini [aus Mestre, Volontario Motonauta - Freiw. Maschinist],
Giuseppe Volpi [aus Viareggio, Capotorpediniere - Obertorpedist],
Benedetto Beltramin [aus Donada, Sottonocchiere - Unterbootsmann],
Giuseppe Corti [aus Ponza, Marinaio Scelto - Obermatrose],
Edmondo Turci [aus S. Arcangelo di Romagna, Fochista Scelto - Oberheizer],
Menotti Ferri [aus Massa Fiscaglia, Fochista - Heizer],
Achille Martinelli [aus Montalcino, Torpediniere - Torpedist],
Gabriele D'Annunzio [Schriftsteller aus Pescara d'Abruzzi],
Freiwilliger Matrose.


[Der in eckige Klammern gesetzte Text befindet sich nicht auf der Stele. Die Angaben zu den Herkunftsorten und den Dienstgraden stammen aus Internet-Veröffentlichungen.]


Torpedoboot MAS 96

MAS 96, das Boot der 1. Mannschaft.
Das Boot steht heute im Vittoriale degli Italiani, der ehemaligen Villa Gabriele D'Annunzios, in Gardone Riviera.

Aus der Wikipedia. Autor: Olonia - Opera propria, CC BY-SA 3.0, Collegamento


Die rechte Seite des Sockels zeigt unter einer Darstellung des geflügelten Markuslöwen "in moleca" die Liste der Besatzung des zweiten Bootes:


Die 2. Besatzung
Odoardo De Santis [aus Chiusi, Tenente di Vascello – Leutnant zur See],
Gino Montipò [aus Sassuolo, Capotimoniere - Hauptsteuermann],
Arturo Martini [aus Napoli, Capotorpediniere - Haupttorpedist],
Salvatore Genitivo [aus Favignana, Marinaio Scelto - Obermatrose],
Raffaele Esposito [aus Conca Marini, Marinaio - Matrose],
Galliano Furlani [aus Fano, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Oniglio Calzolari [aus Pitelli, Torpediniere - Torpedist],
Antonino Macaluso [aus Palermo, Fochista Scelto - Oberheizer],
Virginio Gaddoni [aus Massa Lombarda, Fochista - Heizer],
Vincenzo Caggeri [aus Casale Monferrato, Torpediniere - Torpediost].


Und schließlich listet die dritte Seite unter dem Relief einer Meerjungfrau die Mannschaft des dritten Bootes auf:


Die 3. Besatzung
Andrea Ferrarini [aus Mantova, Sottotenente - Unterleutnant],
Vincenzo Lazzarini [aus Viareggio, Capotimoniere - Hauptsteuermann],
Emilio Davide [aus Finalmarina, Sottonocchiere - Unterbootsmann],
Paolo Papa [aus Trapani, Marinaio - Matrose],
Cesare Dagnino [aus Sestri Ponente, Capotorpediniere - Haupttorpedist],
Domenico Piccirillo [aus Vietri sul Mare, Capotorpediniere – Haupttorpedist],
Umberto Biancamano [aus Gallipoli, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Angelo Rittore [aus S. Bartolomeo del Cervo, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Saverio Badiali [aus Spezia, Fochista - Heizer],
Mario Allegretti [aus Terni, Fochista - Heizer].


Unter den genannten Männern sind drei, auf die ich hier noch einmal besonders eingehen möchte:


Gabriele D'Annunzio

* 12. März 1863 in Pescara; † 1. März 1938 in Gardone Riviera

Ich verweise der Kürze halber auf den Wikipedia-Artikel zu Gabriele D'Annunzio.
Hier nur soviel: Außer durch seine belletristischen Veröffentlichungen machte sich D'Annunzio vor Allem einen Namen mit seinen etwas exzentrischen Aktionen.

Er nahm nicht nur an der Beffa di Buccari teil. Am 9. August 1918, kurz vor Kriegsende, flog er mit einer Staffel von 11 Flugzeugen in das feindlich Österreich, um über Wien nicht etwa Bomben, sondern Flugblätter abzuwerfen. Seine persönliche Botschaft an die Wiener endete, in einem für D'Annunzio ganz typischen Stil, mit den Worten: „Das Drohen der Schwingen des jungen italienischen Adlers gleicht nicht der finsteren Bronze im morgendlichen Licht. Die unbekümmerte Kühnheit wirft über Sankt Stephan und den Graben das unwiderstehliche Wort, Wiener! Viva l’Italia.“

Seine letzte "Großtat" vollbrachte der überzeugte Irredentist nach dem Kriegsende. Im September 1919 besetzte er mit einer Gruppe Freischärler die Stadt Fiume (Rijeka) und errichtete dort seinen Privatstaat mitsamt eigenen Briefmarken und allem was dazu gehört. Erst die militärische Intervention der italienischen Regierung beendete den Zauber im Dezember 1920.

Eine kurze Charakterisierung D'Annunzios findet sich im Spiegel vom 23.08.1999 "Gabriele D'Annunzio Ästhet des Absurden"



Costanzo Ciano

* 30. August 1876 in Livorno; † 26. Juni 1939 in Ponte a Moriano bei Lucca.

Costanzo Ciano trat 1891 in die Marineakademie Livorno ein. Als Leutnant zur See nahm er am italienisch-türkischen Krieg 1911/12 teil.
1915, beim Kriegseintritt Italiens diente in der Führung der Torpedowaffe der Königlichen Italienischen Marine in Venedig. Ciano war an der Versenkung der SMS Wien und an der Beffa di Buccari beteiligt. Ende 1918 wurde Costanzo Ciano der Reserve zugeteilt und übernahm die Leitung von Giovanni Agnellis Reederei "Il Mare".

Ciano war Anführer der Faschisten in Livorno und nahm an Mussolinis Marsch auf Rom teil. Während der faschistischen Ära hatte er bis zu seinem Tod politische Spitzenämter inne.
Den Adelstitel Conte di Cortellazzo e di Buccari erhielt er 1925

Gian Galeazzo Ciano  (* 18. März 1903 in Livorno; † 11. Januar 1944 in Verona), Schwiegersohn Benito Mussolinis und von 1936 bis 1943 Außenminister Italiens war ein Sohn des Costanzo Ciano. Galeazzo Ciano war der 2. Graf von Cortellazzo und Buccari. Die Fantasietitel, die von KönigViktor Emanuel III. an alle möglichen Kriegshelden verliehen wurden, sind erblich in Primogenitur, d.h., auch heute noch tragen die jeweils erstgeborenen Söhne diese Titel.



Luigi Rizzo

* 8. Oktober 1887 in Milazzo; † 27. Juni 1951 in Rom.

Biographisches

1919 nahm er an Gabriele D’Annunzios Marsch auf Fiume teil. 1920 schied er als Fregattenkapitän aus der italienischen Marine aus und arbeitete bei Reedereien und Schiffswerften. Unter König Viktor Emanuel III. wurde er geadelt und erhielt den Titel eines Conte di Grado e Premuda. 1943 wurde er wegen Sabotageaktionen mit seiner Tochter Maria nach Deutschland deportiert und 1944 u.a. im Hotel Ifen in Hirschegg unter Arrest gestellt.

Versenkung der SMS Wien

In der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1917 drangen zwei MAS unter Führung von Luigi Rizzo unentdeckt in den Hafen von Triest ein, wohin die k.u.k.-Kriegsschiffe SMS Wien und ihr Schwesterschiff SMS Budapest seit August 1917 worden waren, um die italienischen Befestigungsanlagen im Golf von Triest zu beschießen. Die Boote feuerten ihre Torpedos auf die beiden Schiffe ab. SMS Budapest wurde nicht getroffen, aber SMS Wien sank nach zwei Treffern in weniger als fünf Minuten, wobei 46 Seeleute den Tod fanden.

1925 bargen die Italiener Teile des Bugs und des Hecks der SMS Wien, auf denen der Schiffsname angebracht ist. Das Heckfragment wurde Gabriele D'Annunzio für seine Villa Vittoriale übergeben. Das zweite Wrackteil ist im Museo Storico Navale di Venezia, dem Marinemuseum in Venedig ausgestellt.

Bugfragment der SMS Wien im Marinemuseum Venedig
Bugfragment der SMS Wien im Marinemuseum Venedig

Autor Bonty (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons


Versenkung der SMS Szent István

Seine zweite große Tat, die Rizzo den Beinamen l'Affondatore - Der Versenker - einbrachte, war eher einem Zufall zu verdanken.

Nachdem Miklós Horthy im Februar 1918 zum Kommandanten der k.u.k.-Kriegsmarine ernannt worden war, beschloss er, die vier Großkampfschiffe SMS Viribus Unitis, SMS Tegetthoff,
SMS Prinz Eugen und SMS Szent István einzusetzen, um die italienische Sperre der Meerenge von Otranto zu durchbrechen. An Bord der SMS Tegetthoff waren auch Kameramänner der Kriegsmarine-Propaganda sowie der Reporter Egon Erwin Kisch, die über den erwarteten Sieg angemessen patriotisch berichten sollten. Als Begleitschutz fuhren ein Zerstörer und sechs Torpedoboote mit dem Verband.

Auf der Heimfahrt von einer bis dahin ereignislosen Patrouille stießen MAS 15 und MAS 21 unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Luigi Rizzo bei der Insel Lutrošnjak nahe Premuda am 10. Juni 1918 gegen 03:15 Uhr auf die k.u.k.-Schiffe. Im Schutz der Dunkelheit durchbrachen die Boote den Geleitschutz und feuerten gegen 03:30 Uhr auf die Szent István. Die Torpedos der MAS 15 trafen an der Steuerbordseite das Schott zwischen den Kesselräumen und den achteren Kesselraum selbst. Die Torpedos der MAS 21 verfehlten das Ziel. Beide Boote konnten nach Ancona entkommen.

Die Details des nun folgenden Dramas lasse ich hier weg. Nur soviel noch: Um 06:05 Uhr kenterte die Szent István sieben Minuten später verschwand sie unter der Wasseroberfläche. Die Verluste beliefen sich auf vier Offiziere und 85 Mannschaftsgrade, außerdem gab es 29 Verletzte. Nach dem Verlust des Schiffes wurde die gesamte Aktion gegen die Otranto-Sperre abgebrochen.
Der Untergang des Schiffes wurde von dem Kriegspresse-Kamerateam an Bord der Tegetthoff gefilmt. Neben der im Zweiten Weltkrieg gesunkenen Barham ist die Szent István das einzige Schlachtschiff, dessen Untergang gefilmt werden konnte.


Das Historische Umfeld


Italien war im 1. Weltkrieg mit Frankreich und Großbritannien gegen die Achsenmächte Österreich-Ungarn und Deutschland verbündet. Der Stellungskrieg gegen die österreichische Armee verlief mit wenig Bewegung aber großen Verlusten.

Auf See hatte der Gleichstand an Großschiffen mit der k.u.k.-Marine zu einem Stillstand geführt, weil beide Seiten den Verlust dieser Schiffe vermeiden wollten. Der Seekrieg in der Adria war gekennzeichnet durch plötzliche nächtliche Aktionen von kleinen Schiffen und von Verlusten durch Minen und U-Boote. In diesem Umfeld entwickelte die italienische Marine Spezialeinheiten mit schnellen Torpedobooten, MAS (Motoscafo Armato Silurante – Bewaffnete Torpedo Motorboote) genannt, die waghalsige Männer mit Abenteuergeist anzogen.

Nach dem Zusammenbruch der russischen Front standen deutsche Truppen zur Verfügung, die den Österreichern im November 1917 eine Offensive ermöglichten. In der Schlacht von Caporetto wurde die italienische Armee geschlagen und innerhalb von drei Wochen war die Front soweit zurückgeworfen, dass auch Venedig bedroht war.

Die Stimmung der Italiener war an einem Tiefpunkt angelangt. Man brauchte also eine spektakuläre öffentlichkeitswirksame Aktion.

Schlacht von Caporetto
Die Schlacht von Caporetto und italienischer Rückzug zur Piave.

By History Department of the US Military Academy West Point [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Operation


Das Kommando-Unternehmen richtete sich gegen österreichische Schiffe im Hafen von Buccari (heute Bakar, Kroatien). Dort lagen nach Erkenntnissen der italienischen Aufklärung sowohl Handels- als auch Kriegsschiffe. Der Hafen liegt gut geschützt in der Bucht von Bakar an der Spitze des Kvarner Golfs.



Die Operation wurde von Fregattenkapitän Costanzo Ciano geführt und umfasste die drei in Venedig stationierten MAS-Boote 94, 95 und 96 mit einer Crew von insgesamt 30 Männern. MAS 96 wurde von Leutnant Luigi Rizzo kommandiert. An Bord dieses Bootes war auch der Schriftsteller Gabriele D’Annunzio.

Über den zeitlichen Ablauf des Angriffs gibt es unterschiedliche Angaben. Soviel aber scheint festzustehen:

Um 10:45 Uhr am 10. Februar 1918 legten die MAS vom Ufer der Giudecca-Insel vor der Redentore-Kirche ab. Um Treibstoff zu sparen wurden sie von größeren Torpedobooten geschleppt. Im Schutz einer Eskorte von Zerstörern erreichte der Verband schließlich den Faresinakanal zwischen Istrien und der Insel Cherso (heute Cres) und die MAS wurden aus der kleinen Flottille entlassen. Die Eskorte zog sich in die offene Adria zurück, um dort auf die Rückkehr der Angreifer zu warten.

Gegen 22:15 Uhr begannen die drei Boote ihre Fahrt durch die Meerenge.
Ohne die Aufmerksamkeit der österreichischen Patrouillenboote und der Küstenbatterien bei Porto Re (heute Kraljevica) zu erregen, erreichten die Boote kurz nach Mitternacht, jetzt von Elektromotoren angetrieben, die Bucht. Im Hafen angekommen, fanden sie dort drei Frachter und einen Passagierdampfer vor.

Der Zielangriff begann um 01:20 Uhr.
MAS 95 feuerte seinen beiden Torpedos auf den größten der Dampfer ab. Einen Richtung Vormast, den zweiten Richtung Schornstein. Kein Torpedo erreichte sein Ziel.

MAS 94 zielte mit je einem Torpedo auf zwei der anderen Dampfer. Auch diese Torpedos blieben ohne Wirkung.

Dann feuerte MAS 96 seine beiden Torpedos in Richtung Schornstein des vierten Schiffs ab. Die anderen Torpedos hatten inzwischen das Torpedoschutznetz des Hafens beschädigt, so dass ein Torpedo den Frachter erreichte, explodierte, aber nur leichte Schäden hinterließ.

Diese Explosion löste den Alarm aus. Es gelang den Angreifern aber, aus der Bucht zu entkommen, die offene See zu erreichen und sich wieder mit ihrer Eskorte zu vereinen. Um 07:45 Uhr am 11. Februar erreichte der Verband ohne eigene Verluste schließlich den Hafen von Ancona.

In seiner typischen, etwas exzentrischen Manier (siehe auch seinen Flug über Wien am 9. August 1918) hinterließ Gabriele D'Annunzio im Hafen drei grün-weiß-rot versiegelte Flaschen mit Nachrichten an die Österreicher, in denen die Aktion bereits „La Beffa di Buccari“ - die Verhöhnung von Buccari - genannt wird.

Buccari von Westen
Buccari von Westen (um 1895)

Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division

Buccari von Osten
Buccari von Osten (um 1895)

Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division


Nachwirkungen


Trotz des geringen militärischen Erfolges, der vielleicht auch gar nicht angestrebt worden war, war die Aktion von großem psychologischen Wert für die Italiener, die die katastrophale Niederlage von Caporetto zu verdauen hatten. Die Demütigung des Feindes durch das ungehinderte Eindringen tief in deren Gewässer hob die Moral der italienischen Soldaten an den Fronten genauso wie die Moral der Zivilisten. Die Beffa di Buccari wurde in jeder erdenklichen Weise propagandistisch ausgeschlachtet. Gabriele D'Annunzio selbst schrieb sogar ein Lied dazu mit dem Tiel "La canzone del Quarnaro".

"La Beffa di Buccari" ist auch 100 Jahre später nicht vergessen. Sogar eine Armbanduhr der genuesischen Marke Memphis Belle kann man kaufen, die auf dem Ziffernblatt an das Ereignis erinnert.