Samstag, 9. März 2013

Maxi-Poster für alle Palazzi

 

Seufzerbrücke, Photo by Gunther H.G. Geick
Il Cielo dei Sospiri
Seufzerbrücke mit Maxi-Poster
Mai 2009
Die Genehmigung zum Anbringen von Werbung an allen Palazzi, die restauiert werden sollen, wollen die ADSI (Associazione dimore storiche italiane – Vereinigung Historischer Häuser Italiens) und Giancarlo Tomasin, Besitzer des Palazzo Foscari Contarini.

In einem Schreiben an die Kulturbehörde Venedigs fordern sie eine Änderung der Vorschriften, die bislang nur erlauben, dass das Sponsoring von Arbeiten an Bauten in öffentlichem Eigentum durch die Erlaubnis zum Anbringen von Reklame, sogenannten Maxi-Postern, gefördert wird.

 

Sponsoren sind nur zu finden, wenn sie werben dürfen und ohne Sponsoring sind Restaurierungen privater Palazzi nicht zu finanzieren – sagt Herr Tomasin. Die Zahlung staatlicher Zuschüsse, die nach dem Gesetz über Kulturgüter vorgesehen ist, wurde im Juli letzten Jahres bis mindestens Ende 2015 ausgesetzt. Außerdem wurde die Besteuerung historischer Gebäude erheblich erhöht. Herr Tomasin fürchtet nun, dass bis zum Wiedereinsetzen der staatlichen Hilfe dringend notwendige Arbeiten auf Eis liegen, wenn die Regeln über die Riesenreklamen nicht geändert werden.

Biblioteca Marciana, Photo by Gunther H.G. Geick
Swatch-Werbung an der Biblioteca Marciana
Mai 2009

Ich habe ja volles Verständnis für die Sorgen der Palastbesitzer aber ich fürchte etwas anderes, nämlich dass der Canal Grande demnächst eher einer shopping mall ähnelt als dem was er bisher (auch) ist – das großartigste Schaufenster der Architekturgeschichte, dass die Welt zu bieten hat.

Ala Napoleonica, Photo by Gunther H.G. Geick
Werbung für ein Outlet-Center an der Ala Napoleonica
Piazza San Marco, Juli 2011

Quellen:
VeneziaToday - 09 marzo 2013
Il Corriere del Veneto - 09 marzo 2013


Ubrigens: Ein Gutes haben die Maxi-Poster doch. Aus den ausgedienten Planen stellen Insassen der Gefängnisse Venedigs unter dem Label malefatte... di città di venezia *) Taschen in allen Größen und Formen her, jede einzelne ein Unikat, die dann in der Stadt verkauft werden.

*) was mit "Missetaten der Stadt Venedig" zu übersetzen ist. Ob damit wohl die Missetaten des Aufhängens der Werbebanner gemeint sind?

"Malefatte di Venezia", Photo by Gunther H.G. Geick
Taschen aus ausgedienten Werbebannern
made by "Malefatte di Venezia"

 

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