Dienstag, 19. März 2013

Anti-Portugiesen-Kampagne der ACTV

 
Die venezianische ÖPNV-Gesellschaft ACTV, die in Venedig die Vaporetti- und Buslinien betreibt, hat eine „campagna antiportoghesi” - eine „Anti-Portugiesen-Kampagne” ins Leben gerufen, berichtet die online-Ausgabe der Zeitung „Corriere del Veneto„ vom 15. März. 1)
Mit der Kampagne verfolgt die ACTV das Ziel, innerhalb von zwei Jahren durch die Bekämpfung des Schwarzfahrens 3 Mio. Euro mehr einzunehmen. Einer Untersuchung zufolge beträgt die Schwarzfahrer-Rate im Wasserverkehr zwischen 4,3 und 5,2 Prozent, im Landverkehr sogar zwischen 8,3 und 10 Prozent.

rush hour am Piazzale Roma, Photo by Gunther H.G. Geick
rush hour am Piazzale Roma



Ab April will die ACTV die Schwarzfahrer-Rate durch personelle und technische Maßnahmen bedeutend senken. Dazu wird die Zahl der Kontrolleure von bisher 60 auf 102 erhöht und die Vaporetto-Haltestellen-Pontons mit Drehkreuzen ausstatten. An den neueren Haltestellen gibt es die bereits.

ACTV-Haltestelle San Zaccaria-Pietà, Photo by Gunther H.G. Geick
Die neue ACTV-Haltestelle San Zaccaria-Pietà



Aber was hat das Ganze nun mit den Portugiesen zu tun?

Fahren denn in Venedig nur Portugiesen schwarz?


Ist die ACTV vielleicht ausländerfeindlich?


Die Antwort lautet: „fare il portoghese” („den Portugiesen machen”) bedeutet soviel wie „eine Leistung erschleichen”, schmarotzen oder schwarzfahren.

Der Ausdruck stammt aus dem 18. Jahrhundert als die portugiesische Botschaft in Rom eine Einladung zu einer Veranstaltung im Teatro Argentina aussprach, zu der alle freien Eintritt haben sollten, die sich als Portugiesen vorstellen würden. 2) Andere Quellen fügen hinzu, dass es so kam, weil die Eintrittskarten nicht rechtzeitig verschickt worden waren. 3)

Eine andere Erklärung bietet Volker Tzschucke: „Im Mittelalter sprach ein Papst portugiesischen Pilgern die größte Frömmigkeit zu und verfügte deshalb, dass ihnen in römischen Restaurants freies Essen zuzugestehen sei. Dies sprach sich schnell herum und allüberall in Rom tauchten plötzlich portugiesische Pilger auf, die über einen auffälligen Akzent verfügten: Italienische Trittbrettfahrer, die sich die kostenlose Sättigung nicht entgehen lassen wollten.” 4)
 
Quellen:
1) Corriere del Veneto, 15 marzo 2013
2) Treccani online, Sinonimi e Contrari
3) website „perché si dice così?”
4) Volker Tzschucke auf der website von Lingua et opinio e.V.



 

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