Montag, 18. Februar 2013

Der "unifomierte" Gondoliere


Wenn Sie bisher glaubten, Gondolieri seien rein zufällig alle ähnlich gekleidet, dann kann ich Sie heute von diesem Irrtum befreien.
Wir Deutschen haben vielleicht die Regelungswut erfunden - zur Perfektion haben es aber die Italiener gebracht. Undenkbar also, dass es nicht auch eine Kleidervorschrift für Gondolieri geben sollte.

Gondoliere, (c) Photo by Gunther H.G. Geick
Gondoliere in rot-weiß
Photo © Gunther H.G. Geick

Gondoliere, (c) Photo by Gunther H.G. Geick
Gondoliere in blau-weiß
Photo © Gunther H.G. Geick



Städtische Verordnung für den öffentlichen Dienst der Gondeln
(Regolamento Comunale per il Servizio Pubblico di Gondola)
Artikel 23 – Uniform
1. Die Gondolieri haben sich anständig zu kleiden, und die folgende Bekleidung zu tragen:
a) während der Wintersaison: lange Hosen ohne seitliche Taschen in dunkelblauer oder schwarzer Farbe und Seemannsblusen von dunkelblauer oder schwarzer Farbe; das Tragen eines weichen Baretts mit oder ohne Bommel [Pompon] oder einer Pudelmütze der gleichen Farbe ist erlaubt; es ist außerdem gestattet, im Falle besonderer Kälte eine schwarze oder dunkelblaue Jacke sowie bei Regen eine Regenjacke ["cerata in tinta" - "gefärbtes Wachstuch", sagt die Verordnung] zu tragen;
b) während der Sommersaison: lange Hosen ohne seitliche Taschen in dunkelblauer oder schwarzer Farbe, weißes Leinenhemd nach Seemannsart, gestreiftes Hemd ["maglietta" – t-shirt, sweatshirt] mit horizontalen roten oder blauen Streifen von 2 bis 2,5 cm Breite, Strohhut mit Band und Einfassung in der gleichen Farbe wie das Hemd;
c) geschlossene schwarze Schuhe.
2. Im Dienst mit zwei Riemen [d.h., bei den traghetti oder "gondole da parata", den Fährgondeln] haben die Gondolieri sich gleich zu kleiden.
Der Zeremonial- oder Luxusdienst muss in Livree getan werden (weiße Hosen, Hutband und Halstuch der gleichen Farbe).



(... warum sind eigentlich die seitlichen Hosentaschen verboten?)

Und hier bekommt der Gondoliere alles, was er braucht, um der Kleiderordnung zu genügen:
Negozio Emilio Ceccato, (c) Photo by Gunther H.G. Geick
Emilio Ceccato, Bekleidung für Gondolieri
San Polo 16/17, Sotoportego di Rialto
Photo © Gunther H.G. Geick


Offenbar werden die Kleidervorschriften besser überwacht, als die Einhaltung der Tarifbestimmungen. Im letzten bekannt gewordenen Fall musste ein Gondoliere immerhin 130 Euro Buße zahlen, weil er mit weißen Turnschuhen zum Dienst erschien.