Montag, 24. April 2017

La Beffa di Buccari


Auf der Giudecca, vor der Kirche des Allerheiligsten Erlösers - del Santissimo Redentore, steht ein ganz besonderes Exemplar der Fahnenmastsockel, die die Venezianer "abate del campo" nennen.

Die Stele aus istrischem Marmor weist auf eine "Heldentat" der Königlichen Italienischen Marine aus dem letzten Jahr des Ersten Weltkriegs hin, die (angeblich) genau hier vor der Kirche, begann. Ein Ereignis, an dem der Schriftsteller und irredentistische Aktivist Gabriele D'Annunzio als "freiwilliger Seemann", wie die Inschrift sagt, teilnahm. D'Annunzio war es auch, der dieser militärisch wenig erfolgreichen Operation den Namen gab: "La Beffa di Buccari" - "Die Verspottung von Buccari".

"Das Bubenstück von Buccari" würde sich als deutscher Titel vielleicht besser machen, trifft aber leider die Sache nicht ganz. Das Verb "beffare" bedeutet verspotten, verhöhnen, foppen -  und als Verspottung der k.u.k.-Kriegsmarine sollte die missglückte Aktion dem Volk verkauft werden.

Die Stele


Die Idee zu diesem Denkmal wurde bereits 1924 von Gabriele D'Annunzio an den Bildhauer Napoleone Martinuzzi ( Murano, 1892 – Venezia, 1977, Glaskünstler und Bildhauer) herangetragen, der zu dieser Zeit für den Schriftsteller für dessen Villa in Gardone Riviera arbeitete.

Aus Murano schrieb er am 7. August 1924 an seinen Auftraggeber einen Brief in dem das geplante Denkmal, das übrigens, wie in einem anderen Brief erwähnt, 3,5 bis 4 m hoch werden sollte, beschrieben wird.

"Murano 7-8-24
Mio Comandante,
Ich besichtigte das ganze Giudecca-Ufer mit Blick auf die Stadt und ich würde für die Platzierung der Stele die ausgedehnte Freitreppe vor der Erlöser-Kirche wählen. Der Ort scheint mir auch wegen seiner spirituellen Bedeutung glücklich gewählt zu sein. Mit der veränderten Freitreppe, wie in dem Entwurf gezeigt, den ich gleichzeitig sende, mit einem massiven Baukörper sowie den Stufen in der Mitte, erhalten wir eine organische und monumentale Anordnung, die sich gut in die Architektur im Hintergrund einfügt. Unsere Stele wird also am Erlösertag, dem venezianischsten Fest, auch die Funktion haben, die beiden Pilgerströme zu trennen, diejenigen, die die Kirche besuchen und diejenigen, die über die auf Booten gebaute Brücke zurückzukehren, eine Brücke, die direkt ins Zentrum dieser Treppe führt."


Die Stele sollte von zwei Löwen gekrönt werden, von denen der eine aufs Wasser, der andere aufs Land blickt. Die übrigen Dekorationen entsprechen etwa dem, was auch in kleinerem Maßstab realisiert wurde.

Der Stadt Venedig war das Ganze wohl doch ein paar Nummern zu groß gedacht (glücklicherweise) und das mag der Grund dafür gewesen sein, dass der Ideengeber Gabriele D'Annunzio zu der Enthüllung des Denkmals am 24. Mai 1928, dem Jahrestag der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn, trotz angekündigter Teilnahme nicht erschien.

Betrachten wir jetzt die Inschriften:

La Beffa di Buccari

IL III EQUIPAGGIO
---
ANDREA FERRA
RINI - VINCENZO
LAZZARINI - EMI
LIO DAVIDE - PAO
LO PAPA - CESA
RE DAGNINO - DO
MENICO PICCIRIL
LO - VMBERTO
BIANCAMANO
ANGELO RITTO
RE - SAVERIO BA
DIALI - MARIO
ALLEGRETTI 

I TRENTA DELLA BEFFA DI
BVCCARI SALPARONO DA
QVESTA RIVA IL X FEBBRAIO
MCMXVIII
CATALOGO DEI TRENTA
IL I EQVIPAGGIO
COSTANZO CIANO - LVIGI
RIZZO - ANGELO PROCAC
CINI - GIVSEPPE VOLPI
BENEDETTO BELTRAMIN -
GIVSEPPE CORTI - EDMONDO
TVRCI - MENOTTI FERRI
ACHILLE MARTINELLI
GABRIELE D'ANNVNZIO
VOLONTARIO MARINAIO

IL II EQUIPAGGIO
---
ODOARDO DE
SANTIS - GINO
MONTIPO - AR
TVRO MARTINI
SALVATORE GE
NITIVO - RAFFAE
LE ESPOSITO
GALLIANO FVRLA
NI - ONIGLIO CALZO
LARI - ANTONINO
MACALVSO - VIRGI
NIO GADDONI - VIN
CENZO CAGGERI


Die Vorderansicht zeigt oben eine Karte der Bucht von Buccari, dem heutigen kroatischem Bakar. Darunter steht:


"Die Dreißig der Verhöhnung von
Buccari stachen in See von
diesem Ufer am 10. Februar
1918.
Liste der Dreißig
Die 1. Besatzung
Costanzo Ciano [aus Livorno, Capitano di Fregata - Fregattenkapitän],
Luigi Rizzo [aus Milazzo, Capitano di Corvetta - Korvettenkapitän],
Angelo Procaccini [aus Mestre, Volontario Motonauta - Freiw. Maschinist],
Giuseppe Volpi [aus Viareggio, Capotorpediniere - Obertorpedist],
Benedetto Beltramin [aus Donada, Sottonocchiere - Unterbootsmann],
Giuseppe Corti [aus Ponza, Marinaio Scelto - Obermatrose],
Edmondo Turci [aus S. Arcangelo di Romagna, Fochista Scelto - Oberheizer],
Menotti Ferri [aus Massa Fiscaglia, Fochista - Heizer],
Achille Martinelli [aus Montalcino, Torpediniere - Torpedist],
Gabriele D'Annunzio [Schriftsteller aus Pescara d'Abruzzi],
Freiwilliger Matrose.


[Der in eckige Klammern gesetzte Text befindet sich nicht auf der Stele. Die Angaben zu den Herkunftsorten und den Dienstgraden stammen aus Internet-Veröffentlichungen.]


Torpedoboot MAS 96

MAS 96, das Boot der 1. Mannschaft.
Das Boot steht heute im Vittoriale degli Italiani, der ehemaligen Villa Gabriele D'Annunzios, in Gardone Riviera.

Aus der Wikipedia. Autor: Olonia - Opera propria, CC BY-SA 3.0, Collegamento


Die rechte Seite des Sockels zeigt unter einer Darstellung des geflügelten Markuslöwen "in moleca" die Liste der Besatzung des zweiten Bootes:


Die 2. Besatzung
Odoardo De Santis [aus Chiusi, Tenente di Vascello – Leutnant zur See],
Gino Montipò [aus Sassuolo, Capotimoniere - Hauptsteuermann],
Arturo Martini [aus Napoli, Capotorpediniere - Haupttorpedist],
Salvatore Genitivo [aus Favignana, Marinaio Scelto - Obermatrose],
Raffaele Esposito [aus Conca Marini, Marinaio - Matrose],
Galliano Furlani [aus Fano, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Oniglio Calzolari [aus Pitelli, Torpediniere - Torpedist],
Antonino Macaluso [aus Palermo, Fochista Scelto - Oberheizer],
Virginio Gaddoni [aus Massa Lombarda, Fochista - Heizer],
Vincenzo Caggeri [aus Casale Monferrato, Torpediniere - Torpediost].


Und schließlich listet die dritte Seite unter dem Relief einer Meerjungfrau die Mannschaft des dritten Bootes auf:


Die 3. Besatzung
Andrea Ferrarini [aus Mantova, Sottotenente - Unterleutnant],
Vincenzo Lazzarini [aus Viareggio, Capotimoniere - Hauptsteuermann],
Emilio Davide [aus Finalmarina, Sottonocchiere - Unterbootsmann],
Paolo Papa [aus Trapani, Marinaio - Matrose],
Cesare Dagnino [aus Sestri Ponente, Capotorpediniere - Haupttorpedist],
Domenico Piccirillo [aus Vietri sul Mare, Capotorpediniere – Haupttorpedist],
Umberto Biancamano [aus Gallipoli, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Angelo Rittore [aus S. Bartolomeo del Cervo, Cannoniere Scelto - Oberkannonier],
Saverio Badiali [aus Spezia, Fochista - Heizer],
Mario Allegretti [aus Terni, Fochista - Heizer].


Unter den genannten Männern sind drei, auf die ich hier noch einmal besonders eingehen möchte:


Gabriele D'Annunzio

* 12. März 1863 in Pescara; † 1. März 1938 in Gardone Riviera

Ich verweise der Kürze halber auf den Wikipedia-Artikel zu Gabriele D'Annunzio.
Hier nur soviel: Außer durch seine belletristischen Veröffentlichungen machte sich D'Annunzio vor Allem einen Namen mit seinen etwas exzentrischen Aktionen.

Er nahm nicht nur an der Beffa di Buccari teil. Am 9. August 1918, kurz vor Kriegsende, flog er mit einer Staffel von 11 Flugzeugen in das feindlich Österreich, um über Wien nicht etwa Bomben, sondern Flugblätter abzuwerfen. Seine persönliche Botschaft an die Wiener endete, in einem für D'Annunzio ganz typischen Stil, mit den Worten: „Das Drohen der Schwingen des jungen italienischen Adlers gleicht nicht der finsteren Bronze im morgendlichen Licht. Die unbekümmerte Kühnheit wirft über Sankt Stephan und den Graben das unwiderstehliche Wort, Wiener! Viva l’Italia.“

Seine letzte "Großtat" vollbrachte der überzeugte Irredentist nach dem Kriegsende. Im September 1919 besetzte er mit einer Gruppe Freischärler die Stadt Fiume (Rijeka) und errichtete dort seinen Privatstaat mitsamt eigenen Briefmarken und allem was dazu gehört. Erst die militärische Intervention der italienische Regierung beendete den Zauber im Dezember 1920.

Eine kurze Charakterisierung D'Annunzios findet sich im Spiegel vom 23.08.1999 "Gabriele D'Annunzio Ästhet des Absurden"



Costanzo Ciano

* 30. August 1876 in Livorno; † 26. Juni 1939 in Ponte a Moriano bei Lucca.

Costanzo Ciano trat 1891 in die Marineakademie Livorno ein. Als Leutnant zur See nahm er am italienisch-türkischen Krieg 1911/12 teil.
1915, beim Kriegseintritt Italiens diente in der Führung der Torpedowaffe der Königlichen Italienischen Marine in Venedig. Ciano war an der Versenkung der SMS Wien und an der Beffa di Buccari beteiligt. Ende 1918 wurde Costanzo Ciano der Reserve zugeteilt und übernahm die Leitung von Giovanni Agnellis Reederei "Il Mare".

Ciano war Anführer der Faschisten in Livorno und nahm an Mussolinis Marsch auf Rom teil. Während der faschistischen Ära hatte er bis zu seinem Tod politische Spitzenämter inne.
Den Adelstitel Conte di Cortellazzo e di Buccari erhielt er 1925

Gian Galeazzo Ciano  (* 18. März 1903 in Livorno; † 11. Januar 1944 in Verona), Schwiegersohn Benito Mussolinis und von 1936 bis 1943 Außenminister Italiens war ein Sohn des Costanzo Ciano. Galeazzo Ciano war der 2. Graf von Cortellazzo und Buccari. Die Fantasietitel, die von KönigViktor Emanuel III. an alle möglichen Kriegshelden verliehen wurden, sind erblich in Primogenitur, d.h., auch heute noch tragen die jeweils erstgeborenen Söhne diese Titel.



Luigi Rizzo

* 8. Oktober 1887 in Milazzo; † 27. Juni 1951 in Rom.

Biographisches

1919 nahm er an Gabriele D’Annunzios Marsch auf Fiume teil. 1920 schied er als Fregattenkapitän aus der italienischen Marine aus und arbeitete bei Reedereien und Schiffswerften. Unter König Viktor Emanuel III. wurde er geadelt und erhielt den Titel eines Conte di Grado e Premuda. 1943 wurde er wegen Sabotageaktionen mit seiner Tochter Maria nach Deutschland deportiert und 1944 u.a. im Hotel Ifen in Hirschegg unter Arrest gestellt.

Versenkung der SMS Wien

In der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1917 drangen zwei MAS unter Führung von Luigi Rizzo unentdeckt in den Hafen von Triest ein, wohin die k.u.k.-Kriegsschiffe SMS Wien und ihr Schwesterschiff SMS Budapest seit August 1917 worden waren, um die italienischen Befestigungsanlagen im Golf von Triest zu beschießen. Die Boote feuerten ihre Torpedos auf die beiden Schiffe ab. SMS Budapest wurde nicht getroffen, aber SMS Wien sank nach zwei Treffern in weniger als fünf Minuten, wobei 46 Seeleute den Tod fanden.

1925 bargen die Italiener Teile des Bugs und des Hecks der SMS Wien, auf denen der Schiffsname angebracht ist. Das Heckfragment wurde Gabriele D'Annunzio für seine Villa Vittoriale übergeben. Das zweite Wrackteil ist im Museo Storico Navale di Venezia, dem Marinemuseum in Venedig ausgestellt.

Bugfragment der SMS Wien im Marinemuseum Venedig
Bugfragment der SMS Wien im Marinemuseum Venedig

Autor Bonty (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons


Versenkung der SMS Szent István

Seine zweite große Tat, die Rizzo den Beinamen l'Affondatore - Der Versenker - einbrachte, war eher einem Zufall zu verdanken.

Nachdem Miklós Horthy im Februar 1918 zum Kommandanten der k.u.k.-Kriegsmarine ernannt worden war, beschloss er, die vier Großkampfschiffe SMS Viribus Unitis, SMS Tegetthoff,
SMS Prinz Eugen und SMS Szent István einzusetzen, um die italienische Sperre der Meerenge von Otranto zu durchbrechen. An Bord der SMS Tegetthoff waren auch Kameramänner der Kriegsmarine-Propaganda sowie der Reporter Egon Erwin Kisch, die über den erwarteten Sieg angemessen patriotisch berichten sollten. Als Begleitschutz fuhren ein Zerstörer und sechs Torpedoboote mit dem Verband.

Auf der Heimfahrt von einer bis dahin ereignislosen Patrouille stießen MAS 15 und MAS 21 unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Luigi Rizzo bei der Insel Lutrošnjak nahe Premuda am 10. Juni 1918 gegen 03:15 Uhr auf die k.u.k.-Schiffe. Im Schutz der Dunkelheit durchbrachen die Boote den Geleitschutz und feuerten gegen 03:30 Uhr auf die Szent István. Die Torpedos der MAS 15 trafen an der Steuerbordseite das Schott zwischen den Kesselräumen und den achteren Kesselraum selbst. Die Torpedos der MAS 21 verfehlten da Ziel. Beide Boote konnten nach Ancona entkommen.

Die Details des nun folgenden Dramas lasse ich hier weg. Nur soviel noch: Um 06:05 Uhr kenterte die Szent István sieben Minuten später verschwand sie unter der Wasseroberfläche. Die Verluste beliefen sich auf vier Offiziere und 85 Mannschaftsgrade, außerdem gab es 29 Verletzte. Nach dem Verlust des Schiffes wurde die gesamte Aktion gegen die Otranto-Sperre abgebrochen.
Der Untergang des Schiffes wurde von dem Kriegspresse-Kamerateam an Bord der Tegetthoff gefilmt. Neben der im Zweiten Weltkrieg gesunkenen Barham ist die Szent István das einzige Schlachtschiff, dessen Untergang gefilmt werden konnte.


Das Historische Umfeld


Italien war im 1. Weltkrieg mit Frankreich und Großbritannien gegen die Achsenmächte Österreich-Ungarn und Deutschland verbündet. Der Stellungskrieg gegen die österreichische Armee verlief mit wenig Bewegung aber großen Verlusten.

Auf See hatte der Gleichstand an Großschiffen mit der k.u.k.-Marine zu einem Stillstand geführt, weil beide Seiten den Verlust dieser Schiffe vermeiden wollten. Der Seekrieg in der Adria war gekennzeichnet durch plötzliche nächtliche Aktionen von kleinen Schiffen und von Verlusten durch Minen und U-Boote. In diesem Umfeld entwickelte die italienische Marine Spezialeinheiten mit schnellen Torpedobooten, MAS (Motoscafo Armato Silurante – Bewaffnete Torpedo Motorboote) genannt, die waghalsige Männer mit Abenteuergeist anzogen.

Nach dem Zusammenbruch der russischen Front standen deutsche Truppen zur Verfügung, die den Österreichern im November 1917 eine Offensive ermöglichten. In der Schlacht von Caporetto wurde die italienische Armee geschlagen und innerhalb von drei Wochen war die Front soweit zurückgeworfen, dass auch Venedig bedroht war.

Die Stimmung der Italiener war an einem Tiefpunkt angelangt. Man brauchte also eine spektakuläre öffentlichkeitswirksame Aktion.

Schlacht von Caporetto
Die Schlacht von Caporetto und italienischer Rückzug zur Piave.

By History Department of the US Military Academy West Point [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Operation


Das Kommando-Unternehmen richtete sich gegen österreichische Schiffe im Hafen von Buccari (heute Bakar, Kroatien). Dort lagen nach Erkenntnissen der italienischen Aufklärung sowohl Handels- als auch Kriegsschiffe. Der Hafen liegt gut geschützt in der Bucht von Bakar an der Spitze des Kvarner Golfs.



Die Operation wurde von Fregattenkapitän Costanzo Ciano geführt und umfasste die drei in Venedig stationierten MAS-Boote 94, 95 und 96 mit einer Crew von insgesamt 30 Männern. MAS 96 wurde von Leutnant Luigi Rizzo kommandiert. An Bord dieses Bootes war auch der Schriftsteller Gabriele D’Annunzio.

Über den zeitlichen Ablauf des Angriffs gibt es unterschiedliche Angaben. Soviel aber scheint festzustehen:

Um 10:45 Uhr am 10. Februar 1918 legten die MAS vom Ufer der Giudecca-Insel vor der Redentore-Kirche ab. Um Treibstoff zu sparen wurden sie von größeren Torpedobooten geschleppt. Im Schutz einer Eskorte von Zerstörern erreichte der Verband schließlich den Faresinakanal zwischen Istrien und der Insel Cherso (heute Cres) und die MAS wurden aus der kleinen Flottille entlassen. Die Eskorte zog sich in die offene Adria zurück, um dort auf die Rückkehr der Angreifer zu warten.

Gegen 22:15 Uhr begannen die drei Boote ihre Fahrt durch die Meerenge.
Ohne die Aufmerksamkeit der österreichischen Patrouillenboote und der Küstenbatterien bei Porto Re (heute Kraljevica) zu erregen, erreichten die Boote kurz nach Mitternacht, jetzt von Elektromotoren angetrieben, die Bucht. Im Hafen angekommen, fanden sie dort drei Frachter und einen Passagierdampfer vor.

Der Zielangriff begann um 01:20 Uhr.
MAS 95 feuerte seinen beiden Torpedos auf den größten der Dampfer ab. Einen Richtung Vormast, den zweiten Richtung Schornstein. Kein Torpedo erreichte sein Ziel.

MAS 94 zielte mit je einem Torpedo auf zwei der anderen Dampfer. Auch diese Torpedos blieben ohne Wirkung.

Dann feuerte MAS 96 seine beiden Torpedos in Richtung Schornstein des vierten Schiffs ab. Die anderen Torpedos hatten inzwischen das Torpedoschutznetz des Hafens beschädigt, so dass ein Torpedo den Frachter erreichte, explodierte, aber nur leichte Schäden hinterließ.

Diese Explosion löste den Alarm aus. Es gelang den Angreifern aber, aus der Bucht zu entkommen, die offene See zu erreichen und sich wieder mit ihrer Eskorte zu vereinen. Um 07:45 Uhr am 11. Februar erreichte der Verband ohne eigene Verluste schließlich den Hafen von Ancona.

In seiner typischen, etwas exzentrischen Manier (siehe auch seinen Flug über Wien am 9. August 1918) hinterließ Gabriele D'Annunzio im Hafen drei grün-weiß-rot versiegelte Flaschen mit Nachrichten an die Österreicher, in denen die Aktion bereits „La Beffa di Buccari“ - die Verhöhnung von Buccari - genannt wird.

Buccari von Westen
Buccari von Westen (um 1895)

Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division

Buccari von Osten
Buccari von Osten (um 1895)

Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division


Nachwirkungen


Trotz des geringen militärischen Erfolges, der vielleicht auch gar nicht angestrebt worden war, war die Aktion von großem psychologischen Wert für die Italiener, die die katastrophale Niederlage von Caporetto zu verdauen hatten. Die Demütigung des Feindes durch das ungehinderte Eindringen tief in deren Gewässer hob die Moral der italienischen Soldaten an den Fronten genauso wie die Moral der Zivilisten. Die Beffa di Buccari wurde in jeder erdenklichen Weise propagandistisch ausgeschlachtet. Gabriele D'Annunzio selbst schrieb sogar ein Lied dazu mit dem Tiel "La canzone del Quarnaro".

"La Beffa di Buccari" ist auch 100 Jahre später nicht vergessen. Sogar eine Armbanduhr der genuesischen Marke Memphis Belle kann man kaufen, die auf dem Ziffernblatt an das Ereignis erinnert.




Donnerstag, 20. April 2017

Vorsteher des Platzes


"Xe giazzà l'abate del campo"


Zwei Steinsorten prägen das Antlitz Venedigs: Der graue Trachyt aus den Euganeischen Hügeln und der weiße Marmor aus Istrien, der steinkundlich berachtet gar kein Marmor ist. Ich werde den istrischen Kalkstein aber weiter "Marmor" nennen.

Campo de Gheto Novo, Cannaregio
Campo de Gheto Novo, Cannaregio,
mit einer Inschrift, die ich noch entziffern muss.

Auf den meisten Plätzen der Stadt, vor den Kirchen und den Scuole, ragen aus den grauen Pflaster weiße marmorne Fahnenmasthalter empor. Manche mit und manche ohne den Fahnenmast. Von diesen Fahnenmasten flatterten an Festtagen die Banner der Kirchen und der Scuole. Diese Halterungen tragen in Venedig den Namen "abate del campo" - wobei das abate im Sinne von "Vorsteher" zu verstehen ist,. "Vorsteher des Platzes"also, weil sie auf den campi eine im Wortsinne hervorragende Stellung einnehmen.

Piscina del Cristo, Cannaregio
"Abate" vor der
Scuola del Santissimo Crocifisso bei der Kirche San Marcuola,
Piscina del Cristo, Cannaregio

Auf Burano heißen die Masthalter allerdings "standardo" (ital. stendardo). Hier hat sich der Begriff für das Banner am Mast auf den Sockel übertragen. Aber auf Burano ist ohnehin alles anders. Oder, wie Giacomo Filiasi in den "Memorie Storiche de' Veneti" schreibt (Bd. 3, Padua 1811): "I Buranelli in ciò potrebbero dirsi gli O-Taïti delle nostre lagune." ("Die Buranelli als solche könnte man die Tahitianer unserer Lagunen nennen"). Die Venezianer hielten die Bewohner der Insel der bunten Häuser also schon immer für etwas exotischer.

Masthalter auf Burano
Masthalter ("standardo") auf Burano
Piazza Baldassare Galuppi (genannt Il Buranello)
San Martino Destra.

Dargestellt sind zwei der Schutzheiligen der Insel.

Die Inschrift lautet:

"S. MARTIN      S. ALBANO

LAVS DEO
FV FATTA QVESTA OPERASIONE
NEL TEMPO CHE FV DEPVTATI
SIER TOMIO NOVELLO Q. SANTO
SIER ZVANE VITVRI Q. DOMENICO
SIER SANTO VIO Q. ANTONIO
ANNO 1737 LI 11 MAGIO"

Ins Italienische übertragen:

"San Martino      Sant'Albano
Lode a Dio
Quest'opera fu fatta
nel tempo, quando i deputati erano
Signor Tomio Novello Q[uartiere] Santo,
Signor Zuane [Giovanni] Vituri Q[uartiere] Domenico,
Signor Santo Vio Q[uartiere] Antonio.
Nel 1737 l'11 maggio"

"Gelobt sei Gott
Dieses Werk wurde getan
zu der Zeit, als die Abgeordneten waren:
.....
Im Jahre 1737 am 11. Mai"


Doch zurück zu unserem Gegenstand.

Einige der Abate tragen die Symbole einer Scuola, einer Bruderschaft oder eines geistlichen Ordens. Andere wurden in späterer Zeit mit Inschriften zur Erinnerung an historische Ereignisse versehen.

Campiello de la Chiesa (di San Francesco de la Vigna), Castello
Campiello de la Chiesa (di San Francesco de la Vigna), Castello

Die Inschrift lautet:

"1686
DELLA CONFRATERNITÀ
DELLE SACRE
STIMATE
SUFFRAGGIO
DE MORTI"

(Die Bruderschaft der Heiligen Wundmale
Fürbitte für die Verstorbenen)

Oben sieht man das Emblem der Franziskaner: Ein nackter Arm Christi und ein bekleideter Arm des Franz von Assisi mit den Wundmalen. Aus der Mitte der gekreuzten Arme erwächst das Kreuz.


Campo San Zanipolo,
Campo San Zanipolo,
(Santi Giovanni e Paolo), Castello

Das Akronym könnte "CSVP" bedeuten: Confraternità di San Vincenzo de' Paoli





Campo San Lio, Castello.

Die Inschrift lautet:

I LAVORANTI.
+
VESILLO
DELLA UNIONE
DELLE PISTORIE
DI PANE
DI VENEZIA
RESTITUITA
ALL'ITALIA
LI 30 OTTOBRE
1866

(Die Arbeitnehmer
+
Das Banner der Union der Brotbäckereien Venedigs ist nach Italien zurückgekehrt)

[Im Oktober 1866 schloss sich Venedig dem Königreich Italien an]


Ein paar Ausnahmen stechen insbesondere hervor. Da ist einmal der "Abate" auf dem Campo de la Guerra, bei dem es sich um einen zweckentfremdeten Grenzstein handelt (s. "Das Rätsel vom Campo de la Guerra" in diesem Blog).

Campo de la Guerra, San Marco
Campo de la Guerra, San Marco

Die zweite Ausnahme bildet der Fahnenmasthalter vor der Kirche des Allerheiligsten Erlösers, der Chiesa del Santissimo Redentore, auf der Giudecca. Dieser Mastsockel erinnert mit seiner dreiseitigen Beschriftung an eine "Heldentat" der Königlichen Italienischen Marine, die sogenannte "Beffa di Buccari" (die Verhöhnung von Buccari oder Bakar, wie der kroatische Ort heute heißt), die am 10. Februar 1918 just vor der Redentore-Kirche begann.

Campo del Santissimo Redentore, Giudecca
Campo del Santissimo Redentore, Giudecca

Zu dieser Säule und zur "Beffa" gibt es demnächst Näheres im Artikel "La Beffa di Buccari" in diesem Blog.

Aus dem üblichen Rahmen fallen aber auch der besonders aufwändig gestaltete "abate" auf dem Campo Santa Margarita und natürlich die drei bronzenen, vom venezianischen Münzmeister Alessandro Leopardi im Jahre 1505 entworfenen Flaggenmasthalter vor der Basilica di San Marco.

Canpo Santa Margarita, Dorsoduro
Campo Santa Margarita, Dorsoduro

Basilica di San Marco
Basilica di San Marco

Piazza San Marco
Der geflügelte Markuslöwe an der Basis von
einem der drei "pili" genannten Fahnenmasten
auf  der Piazza San Marco


Das am Anfang dieses Artikels stehende venezianische Sprichwort "Xe giazzà l'abate del campo" heißt soviel wie "Es ist so kalt, dass selbst der abate del campo gefriert". Zu Deutsch: "Es friert Stein und Bein" oder gänzlich unverblümt (weil auch die Venezianer es gerne etwas deftiger ausdrücken): "Da friert einem ja der Arsch ab".



Mittwoch, 19. April 2017

Noch'n Verbot - Campo Santo Stefano


Auch an der Kirche Santo Stefano, genauer gesagt, rechts des Portals, an der Ecke des Campo und des Campiello Santo Stefano, ist diese Verbotstafel angebracht:

Verbotstafel an der Kirche Santo Stefano
Verbotstafel an der Kirche Santo Stefano




MDCXXXIII.XX ZVGN,
SONO PROHIBITI TVTTI LI GIOCHI
QVALI SI SIANO ET ANCO IL VENDER ROBBA
METTER BOTTEGE O CORBE IL PROFFERIR
BIASTEME E FAR ALTRE INDECENZE INTORNO
A QVESTA CHIESA O LVOCHI SACRI CIRCON
VICINI E QVESTO PER DELIBERATION DELLI
ECC.MI SS.RI ESS.RI CONRTA LA BIASTEMA CON
PENA ALLI TRANSGRESSORI DI PRIGIONE, GA=
LIA, BANDO ET ANCO LRE CC D'PICCOLI FRA L'
ACCUSATORE (QVAL SARA TENVTO SECRETO)
ET CAPTORI

D. F.CO MO.NI PROC.R
D. NICOL CONTARINI
D. MAR.O ANT.O DI PRILI
D. ALVISE MOCENIGO

ESSCVTORI
CONTRO LA
BIASTEMA.

Auf Italienisch und Deutsch lautet der Text:

"20 GIUGNO 1633 - SONO PROIBITI TUTTI GLI GIOCHI QUALSIASI E ANCHE LA VENDITA DI ROBE, METTERE BOTTEGHE O CORBELLI, IL PROFERIRE BESTEMMIE E FAR ALTRE INDECENZE INTORNO A QUESTA CHIESA O LUOGHI SACRI CIRCONVICINI E QUESTO PER DELIBERAZIONE DELLE ECCELENTISSIMI SIGNORI ESSECUTORI CONTRO LA BESTEMMIA CON PENA AGLI TRASGRESSORI DI PRIGIONE, GALERA, BANDO E ANCHE LIRE 200 DE PICCOLI FRA L’ACCUSATORE (QUELLO SARA INVIO SECRETO) E CAPTORI"

"20.6.1633 - Es sind verboten jedwede Spiele und auch der Verkauf von Sachen, das Hinstellen von Verkaufsbuden oder Körben, Gotteslästerungen auszusprechen und andere Unanständigkeiten zu begehen, bei dieser Kirche oder Heiligen Orten ringsumher und zwar nach Ratschluss Ihrer Exzellenzen, der Herren Vollstrecker gegen Gotteslästerung bei Strafe für die Täter des Gefängnisses, der Galeere, der Verbannung und außerdem 200 Lire de piccoli für die Ankläger (welche geheim gehalten werden) und die Häscher"

Bei den "Vollstreckern", dem Gremium, dass auch, aber nicht nur für die Bekämpfung der Gotteslästerung zuständig war, handelte es sich um die Herren (das "D." steht übrigens für "dominus" = Herr):
Federico Morosini, der auch einer von sechs Procuratoren war. Ein Amt, das an Bedeutung gleich nach dem des Dogen rangierte,
Nicolò Contarini, sein Namensvetter war zur Zeit dieser Bekanntmachung Doge,
Marco Antonio di Priuli (in der Familie Priuli war auch der Vorname Marino verbreitet, es kann also sein, dass es sich hier um einen Marino Antonio handelt)
und schließlich Alivise Mocenigo. Diese Familie stellte im Laufe der venezianischen Geschichte sieben Dogen, von denen vier den Vornamen Alvise trugen - unser Alvise war allerdings nie Doge. Es könnte sich immerhin aber über den späteren Admiral (ab 1648) der Serenissima handeln, der sich seinen Ruhm im Krieg gegen die Türken erwarb (s. Treccani Dizionari Biografico).


Dienstag, 18. April 2017

Der schlafende Papst in der Calle del Perdon


Oft lohnt es sich in Venedig von ausgetretenen Pfaden abzuweichen. So manches entgeht sonst dem Touristen.

Der Normaltourist, der vom Campo San Polo kommend in Richtung Canal Grande flaniert, geht gewöhnlich durch die Calle de la Madoneta, überquert den Rio de San Polo auf der Ponte de la Madoneta, geht dann durch den Sotoportego de la Madoneta oder an ihm vorbei zum Campiello dei Meloni und erreicht schließlich den Rio dei Meloni, den er auf der Ponte Piano del Campiello dei Meloni überquert. Jetzt liegen vor ihm zwei Gassen. Die zur Rechten ist die Calle de Mezo, die zur Linken die parallel verlaufende Calle del Perdon. Folgt er den Wegweisern "PER RIALTO" und "PER S. MARCO", kommt er durch die Calle de Mezo zum Campo Sant'Aponal und verpasst ein Denkmal, das an den Frieden von Venedig zwischen dem Papst Alexander III. und dem Kaiser Friedrich Barbarossa erinnert und die einmalige Gelegenheit, ewigen Sündenerlass zu erwerben.

(Nähers zum Verhältnis zwischen Papst und Kaiser und zum Frieden von Venedig 1177 finden Sie reichlich im Netz, z.B. auch in einem Artikel aus dem Heft "SPIEGEL GESCHICHTE 3/2012").

Und, am Rande bemerkt, hat der besagte Normaltourist vermutlich auch keine Ahnung davon, dass er Commissario Brunettis TV-Dachterrasse gerade um nur 100m verfehlt hat. - Aber darüber demnächst mehr in einem anderen Beitrag.

Vom Campo San Polo zum Campo Sant'Aponal
gelb: der ausgeschilderte Weg,
grün: der "Umweg" durch die Calle del Perdon
(Kartenquelle: Sistema Informativo Territoriale del Comune di Venezia)

Wir folgen also der Calle del Perdon und treffen auf eine Verschwenkung der Gasse. Hier, an der rechten Seite, finden wir eine Nische mit einem Terracotta-Relief der Madonna und dem Jesuskind [roter Marker 2].
Solche religiösen Darstellungen in Nischen- oder Schrein oder anderen Formen nennen die Venezianer "capitèlo" (und verschlucken beim Sprechen das "l", sagen also "capitèo"). Oft sind die "capitèli" (und im Plural wird das "l" gesprochen), so wie dieses hier, beleuchtet. Zu Zeiten, in denen es keine organisierte Straßenbeleuchtung gab,  war es auch Aufgabe der capitèli, den Gassen ein wenig Licht zu spenden.


Capitelo, Calle del Perdon, 2012
Zustand 2012

Capitelo, Calle del Perdon, 2016
Zustand 2016

An der Hausecke, links des capitèlo, ist in den istrischem Stein ein Kreuz gemeißelt, auf deren Bedeutung ich weiter unten zu sprechen komme.

Strahlenkreuz, Calle del Perdon, San Polo 1312
Strahlenkreuz, Calle del Perdon, San Polo 1312

Kurz bevor wir am Campo Sant'Aponal (Sankt Apollinaris) den Schatten der Calle gegen den prallen Sonnenschein auf dem Campo eintauschen könnten, sehen wir auf der linken Seite den Sotoportego zur Calle de la Madonna [roter Marker 1] (tatsächlich hat hier die letzte Straßennamen-Malaktion zugeschlagen und der Madonna, sehr zum Ärger aller echten Veneziani, einen ganz und gar un-venezianischen Doppelkonsonanten verpasst).

Unter dem Straßennamen hängt eine Holztafel mit der folgenden Inschrift:


ALESANDRO III SOMMO PONTEFICE FVGIENDO L'ARMI DI FEDRICO | INPERATORE VENENDO A VENETIA QVI RIPOSSO LA PRIMA NOTTE ET POI CONCESSE | INDVLGIENZA PERRPETVA IN QVESTO LOCCHO DICENDO VN PATER NOSTER ET | VNA AVE MARIA TIBI NON SIT GRAVE DICERE MATER AVE L'ANNO MCLXXVII | ET CON LA CARITA DI DEVOTI SI LUMINA GIORNO E NOTTE COME SI VEDE | RISTAURATO DA DIVOTI L'ANNO MDCCCXXX


Sotoportego e Calle de la Madona, San Polo
1177, Papst Alexander III. gewährt ewigen Ablass.
Sotoportego e Calle de la Madona, San Polo

In lesbares Italienisch und Deutsch übertragen lautet der Text:

"Alessandro III Sommo Pontefice, fuggendo l'armi di Federico Imperatore, venendo a Venezia, qui riposò la prima notte e poi concesse indulgenza perpetua in questo luogo per dire un Pater Noster e una Ave Maria. "Non tibi sit grave dicere Mater Ave" ("Non ti stancare di invocare Maria" / "Non ti sia di peso dire Ave Maria") nell'anno 1177. E con la carità di devoti si illumina giorno e notte, come si vede.
Ristaurato da devoti nell'anno 1830."

"Papst Alexander III., den Waffen des Kaisers Friedrich entfliehend, kam im Jahre 1177 nach Venedig und ruhte die erste Nacht an dieser Stelle und erteilte dann ewigen Ablass für das Sprechen eines Vaterunser und des Ave Maria. "Non tibi sit grave dicere Mater Ave" ("Lasse es Dir Keine Last sein, Maria zu grüßen").
Und aus Liebe der Frommen ist es, wie man sehen kann, Tag und Nacht beleuchtet.
Im Jahre 1830 von frommen Anhängern restauriert."

Gleich links im Sotoportego steht ein capitèlo in Schreinform. Und in diesem Schrein, unten links in die Ecke sehen wir ihn endlich, den schlafenden Papst Alexander III.:

Capitèlo im Sotoportego de la Madona
Capitèlo im Sotoportego de la Madona

Capitelo im Sotoportego de la Madona
Alexander III., der schlafende Papst

An der linken Einfassung des Sotoportego finden wir auch hier ein Kreuz:

Strahlenkreuz am Sotoportego de la Madona
Strahlenkreuz am Sotoportego de la Madona

Und was hat es mit den beiden Kreuzen auf sich? Nun, nach der Überlieferung und der Überzeugung der Veneziani markieren die beiden Kreuze Anfang und Ende der eigentlichen Gasse der Vergebung -- der Calle del Perdon. Ewige Vergebung der Sünden erlangt nur, wer ein Vaterunser und ein Ave Maria zwischen den Kreuzen betet. Davor und danach gilt nicht!

Giuseppe Tassini, der ein umfangreiches Werk über die Bedeutung der venezianischen Straßennamen verfasst hat (Curiosità Veneziane - Ovvero: Origini delle denominazioni stradali di Venezia, Erstauflage 1863, Venedig), schreibt über die Calle del Perdon:

"Perdon (Calle del, Corte del) bei Sankt Apollinaris. Der Name entspringt der Tradition, dass im nahe gelegenen, nach der Madonna benannten Sottoportico ein der Jungfrau gewidmeter Schrein steht, wo Papst Alexander III., der Verfolgung durch Barbarossa entfliehend, die erste Nacht, in der er nach Venedig kam, ruhte und denen ewige Sündenvergebung gewährte, die hier ein Vaterunser und ein Ave Maria rezitieren. Die Erinnerung an diese Überlieferung wird in Holz geschnitten über dem Eingang zum Sottoportico bewahrt
In Bezug darauf bemerken wir mit Cicogna [Emmanuele Antonio Cicogna, Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1-6, Venedig 1824-1853], das die Ankunft Alexander III. 1177 in Venedig unbestritten ist und das mehrere Autoren berichten, dass dieser Papst inkognito kam. Aber keiner berichtet, dass er die erste Nacht bei Sankt Apollinaris verbrachte, sondern eher die Tatsache unterstützen, dass es die Vorhalle von San Salvatore war.
Es scheint daher, dass die Überlieferung in das Reich der Fabeln gehört."

Schließlich möchte ich hier noch, nach veneziamuseo.it, einen Satz aus der fiktiven "Cronacheta de Sior Antonio Rioba" zitieren:

"Me piaxe tanto anca el fato de poder aver indulgensa recitando qua un pater e un'ave Maria, xe comodo, vara tì che fortuna che gavemo, no ne serve 'ndar fin Roma par eser perdonai, basta far quatro passi par la cale del … perdon !"

"Mir gefällt auch sehr die Tatsache, dass man dort, um Sündenerlass zu erhalten, ein Vaterunser und ein Ave Maria rezitiert. Das ist bequem. Wir haben wahrlich Glück, dass wir nicht bis Rom gehen müssen, um Vergebung zu erhalten.  Es genügen einfach vier Schritte zur Calle del ... Perdon!"


Montag, 17. April 2017

UPDATE: CHORUS Kirchen besichtigen


CHORUS vereint jetzt 18 Kirchen in Venedig, die mit einem  CHORUS-Pass für € 12,00 (ggü. € 3,00) besichtigt werden können.
Seit Februar wurden die Öffnungszeiten geändert. Alle Informationen finden Sie im aktualisierten Blog: 



Chiesa del Santissimo Redentore
Die Redentore-Kirche mit der Pontonbrücke, die zum Redentore-Fest den Canale di Giudecca überspannt.
Auch diese Kirche ist Teil des CHORUS-Programms